Freie Betriebssysteme
Der entscheidende Baustein. Wenn clientseitiges Scannen vom Betriebssystem selbst erzwungen werden kann, besteht der einzige echte Schutz darin, die Kontrolle über dieses Betriebssystem zu haben. Das gilt auf dem Smartphone (GrapheneOS) ebenso wie auf dem Computer (Linux). Unterschätze das nicht: Solange du Windows, macOS oder ein Android von Google verwendest, hast du nicht wirklich die Kontrolle über dein Gerät.
Wofür es gedacht ist
Ein vollständig von Google befreites Android für Pixel-Smartphones: digitale Selbstbestimmung
auf dem Mobilgerät.
Warum es wichtig ist
Es ist der strukturelle Schutz schlechthin gegen ein Betriebssystem oder einen App-Store, der
deine Inhalte scannen würde. Google-Dienste laufen nur optional in einer Sandbox. Hinzu kommen
Netzwerkberechtigungen pro App, getrennte Profile, ein automatischer Neustart, der
Schlüssel aus dem Arbeitsspeicher entfernt, und eine Notfall-PIN, die das Smartphone löscht.
GrapheneOS genießt in Sicherheitskreisen so viel Vertrauen, dass es auch von Personen eingesetzt
wird, die Ziel von Spionagesoftware sind.
Für wen und wann
Menschen mit erhöhtem Risiko – aber auch alle, die bereit sind, ein Pixel zu kaufen, um die
Kontrolle über ihr Smartphone zurückzugewinnen.
Installieren und verwenden
Besorge dir ein kompatibles Google Pixel. Aus Sicherheitsgründen ist dies die einzige
unterstützte Hardware.
Rufe auf einem Computer grapheneos.org/install auf und folge dem Web-Installer. Das
dauert nur wenige Klicks; ein Terminal ist nicht nötig.
Installiere Apps über den freien App-Store F-Droid. Füge Google Play in der Sandbox nur hinzu,
wenn du es wirklich brauchst.
Lege eine lange Passphrase statt einer vierstelligen PIN fest und mache dich mit dem Modus
„Sperren“ vertraut.
Wofür es gedacht ist
Ein freies Betriebssystem für deinen Computer, das Windows oder macOS ersetzt. Linux gibt es in
vielen Varianten, den sogenannten Distributionen.
Warum es wichtig ist
Hier liegt für viele ein blinder Fleck: Sie verschlüsseln ihre Nachrichten, behalten aber
Windows, das fortlaufend Telemetriedaten an Microsoft sendet und mit „Recall“ sogar regelmäßige
Bildschirmaufnahmen einführen wollte – oder macOS, das meldet, welche Apps du startest. Linux
spioniert dich nicht aus, ist kostenlos, belebt ältere Computer neu und gibt dir die Kontrolle
über dein Gerät zurück. Es ist einfacher als sein Ruf: Moderne Distributionen sehen Windows oder
macOS sehr ähnlich.
Für wen und wann
Der Umstieg ist für alle machbar. Für den Einstieg eignen sich Linux Mint (Windows am
ähnlichsten) oder Fedora; Debian steht für Stabilität. Du musst nicht sofort etwas
löschen: Teste Linux zunächst und installiere es später neben deinem bisherigen System.
Installieren und verwenden
Du weißt nicht, welche Distribution zu dir passt? Beantworte den Fragebogen auf
distrochooser.de.
Teste verschiedene Systeme ohne Installation direkt im Browser auf distrosea.com
.
Lade anschließend das Abbild der gewählten Distribution herunter und erstelle mit Ventoy oder
Balena Etcher einen startfähigen USB-Stick.
Starte den Computer vom USB-Stick, probiere das Live-System aus und führe dann die
Installation durch. Aktiviere dabei die angebotene Festplattenverschlüsselung.
Wofür es gedacht ist
Ein System, das von einem USB-Stick startet, den gesamten Datenverkehr über Tor leitet und nach
dem Herunterfahren keine Spuren hinterlässt.
Warum es wichtig ist
Beim Herunterfahren wird alles vergessen – daher „amnesisch“. Ideal für einmalige sensible
Arbeiten auf einem fremden Computer, ohne dort etwas zu hinterlassen.
Für wen und wann
Whistleblower, Journalisten und Quellen. Das Standardwerkzeug für besonders riskante Aufgaben.
Installieren und verwenden
Lade Tails von tails.net herunter und folge dem Assistenten, um den USB-Stick zu
erstellen.
Starte den Computer von diesem USB-Stick. Arbeite damit und fahre ihn anschließend herunter:
Alles verschwindet.
Wofür es gedacht ist
Zwei Nischensysteme: Qubes teilt deinen PC in voneinander abgeschottete virtuelle Maschinen;
postmarketOS bringt Linux auf ältere Smartphones.
Warum es wichtig ist
Qubes isoliert jede Tätigkeit – etwa Arbeit, Onlinebanking oder riskantes Surfen – in einem
eigenen Bereich. Wird einer davon kompromittiert, bleiben die übrigen geschützt. postmarketOS
verlängert die Lebensdauer von Smartphones, deren Hersteller sie nicht mehr unterstützt.
Für wen und wann Erfahrene Nutzer mit einem sehr hohen Bedrohungsmodell.
iPhone: der Blockierungsmodus
Auf iPhone, iPad und Mac bietet Apple den Blockierungsmodus (Lockdown Mode) an, gedacht für Menschen, die Ziel hochentwickelter Spyware werden könnten. Er blockiert die meisten Anhänge in Nachrichten, FaceTime-Anrufe von Personen, die du nicht kürzlich angerufen hast, einige komplexe Webtechnologien, kabelgebundene Verbindungen bei gesperrtem Gerät und die Installation von Konfigurationsprofilen. Der Alltag wird weniger bequem: Das ist der Preis für eine kleinere Angriffsfläche. Aktiviere ihn unter Einstellungen > Datenschutz & Sicherheit > Blockierungsmodus, auf jedem Gerät einzeln und nach dem neuesten Update.
Härte dein Gerät
Auch ohne Wechsel des Betriebssystems kannst du viel erreichen: Installiere Apps über F-Droid oder den Aurora Store, ersetze Google-Dienste durch microG, nutze getrennte Profile, entziehe unnötige Netzwerkberechtigungen und deaktiviere automatische Cloud-Backups sowie die Werbe-ID.